Liebes Leben, liebe schon verschollene Leserschaft!

Zunächst einmal, damit wir es hinter uns haben: Frohes neues Jahr.

Ist ne Weile her, ich weiß. 2015, insbesondere die Spätlese, war eine ziemliche Achterbahn. Ganz so heiter-sophisticated, wie ich mich hier gern präsentieren wollte, bin ich derzeit vielleicht einfach nicht. Das heißt nicht, dass ich keine Lust habe, etwas zu schreiben. Einfach so, frei von der Leber weg.

Warum hier nicht auch mal ein Buch besprechen, das mir gefallen hat oder über eine Reise berichten? Sogar vor fotografiertem Essen würde ich nicht zurückschrecken. Aber keine Angst, es bleibt auch in 2016 heiter bis wolkig.

Und jetzt, da sich andere nochmal im Bett umdrehen, mache ich mich auf dem Weg zur Arbeit.

Bis ganz bald!

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P.S.: Das ganz links ist meine Uroma. Die anderen Personen kann ich leider nicht mehr zuordnen, und meine Verwandten können es auch nicht. Wenn jemand jemanden erkennt, lasst es mich gerne wissen.

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Schweinkram in der Sauna

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Liebes Leben,

ich habe Dir schon mal erzählt, wie albern ich Oktoberfeste jenseits des Weißwurstäquators finde. Das gleiche gilt für Halloween und diverse Auswüchse karnevalistischer Verkleidung. Wer früher gesagt hat „ich fahre zum Oktoberfest“, der meinte in der Regel, dass er Ende September oder Anfang Oktober eine Reise nach München antritt. Heutzutage muss man noch einmal nachhaken, denn er könnte auch von einer Sause im Autohaus Südwestposemuckel sprechen, in dem das einzig bayrische die blauweißen Servietten sind. Liegt vermutlich daran, dass es schwierig ist, einen Monatsnamen markenrechtlich zu schützen, und die Einheimischen reden ja ohnehin von der „Wiesn“. So wie die Einheimischen vom Ballermann 6…ach nee, die nicht. Aber da weiß man zumindest: Die Party findet auf Mallorca statt.

Wie dem auch sei, diese Geschichte trug sich bereits vor zwei oder drei Jahren zu. Da war ich mal wieder in der Sauna, und abgesehen davon, dass ich nackt war, war das eine ziemlich unschweinische Angelegenheit. Im Saunabistro zog ich mir sogar einen Bademantel über und trank einen Cappucchino, während ich in die trübe Herbstlandschaft hinausblickte (Saunabesuche sind etwas für solche richtig trüben Tage, finde ich). Mein Blick wanderte zurück in die in warmen Holztönen gehaltene Inneneinrichtung des geräumigen Cafés, in dem vielleicht fünf Gäste saßen. Der hohe Dutt der jungen Bedienung lugte geschäftig hinter dem Smoothie-Maker hervor, der ab und zu rumorte, weil man so etwas trinkt in einem Sauna-Café. Buttermilchdrinks, Kefir und grüne Matchasmoothies, die in normalen Cafés zwar zunehmend verkauft werden, aber meistens keine Kassenschlager sind – in der Sauna mümmelt fast jeder an seinem Strohhalm herum und saugt Proteine und Vitamine in sich auf. Ist ja so gesund! So wie Tomatensaft im Flugzeug eben.

Wie dem auch sei, ich dachte gerade so, könnte ich mir auch mal gönnen, so einen Schmusie, wie unser Omma sagen würde (meine Oma mag übrigens am liebsten „Fanieliengeschmack“). Da fiel mein Blick auf die Sonderkarte zum „Oktoberfest“. Jetzt erst fielen mir die blauweißen Hussen auf den Stühlen und die farbig passenden Tischdecken auf. Hüttengaudi in der Sauna – so richtig passte das nicht zum sonst eher kargen, asiatisch angehauchten Ambiente und den Öldämpfen, die in der Luft lagen. Außerdem erinnerte es mich doch sehr an die Lederhosen-Softpornos, die wir in den 80ern heimlich geguckt haben, wenn unsere Eltern im Bett waren. Die Extra-Speisekarte hob sich auch ein wenig vom üblichen Fitnessangebot des Bistro-Cafés ab. Kartoffelsalat, Weißwürste, Spannferkel —- äh, was? Ich las noch einmal, und tatsächlich: im Sonderangebot war „Spannferkel“ mit Krautsalat und Knödeln.

Das finde ich nun wieder super. Denn wo sonst lässt sich ein Spannferkel besser servieren als in der Sauna? Gut, nicht direkt in der Sauna, obwohl man natürlich über Niedrigtemperaturgaren in derselben durchaus nachdenken könnte – schließlich gibt es ja auch Schokoladenaufgüsse – warum nicht welche, die nach Fleisch, Hickorysalz und Bier duften für die männliche Klientel? Wenn man komplett mit pflanzlichen Aromen arbeitet, wäre das vielleicht sogar was für Veganer. Ach, vielleicht lieber doch nicht, weil es Assoziationen über Grillwurst zulässt, die ich hier nicht weiter ausbreiten möchte.

Ich verabschiedete mich innerlich von dieser doch nicht so genialen Geschäftsidee, bestellte mir einen Mangolassi und beobachtete ein Pärchen im Whirlpool.

Der erste Eindruck

Liebes Leben,

die Binsenweisheit steht in jedem Bewerbungsratgeber: Es gibt nur eine Chance für den ersten Eindruck. Gilt auch für anstehende erste Begegnungen zwischen zwei paarungswilligen Singles, neudeutsch: Dates.

Wie man es vielleicht nicht machen sollte, zeigt anschaulich dieses Beispiel:

Er so: Schön dass du wieder da bist. Was machst du heute Abend?

Ich so: Weiß ich noch nicht. Muss bis 18 Uhr arbeiten.

Er so: Heute abend kommt Fußball. Da könnte ich in die Sportsbar gehen. Oder hast du Sky?

Ich so: Ich hab nicht mal nen Fernseher und interessiere mich ganz rasend für Fußball.

Er so: Schade.
Ich so: Wie meintest du das überhaupt? Als Alibi für deine Frau oder willst du wirklich Fußball gucken?

Er so: Nein ich will das Spiel schon sehen. Aber ich will mich auch mit dir treffen.

Ich so (etwas fassungslos): Das eine willste, das andere kannste, würde meine Oma jetzt sagen.

Ich ließ ihn Fußball gucken übrigens. Dass unser erstes Date besser gewesen wäre als ein Abend mit Freunden in der Sportsbar – das ist schon ein verdammt hoher Anspruch. Seine zweite Chance bekommt er vielleicht trotzdem. Gibt ja auch Tage, an denen kein Fußball läuft. Glaub ich.

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Wieder an Land

Liebes Leben,

ich war eine Weile abwesend – urlaubsbedingt. Die Ostsee hat mich so richtig durchgepustet und mein Kopf war irgendwie so frei, dass ich glatt ein paar Tage nichts zu erzählen hatte. Außer wie unglaublich schön es da ist, wo die Wellen rauschen und mir ihre ganz eigenen Geschichten einflüstern. Etwas entrückt.

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Google ist weg!

mama [17.9.2015, 21:51]: Ich habe kein Google mehr. Kannst du dir vorstellen was das ist?
ich [17.9.2015, 21:51] : du hast das internet gelöscht!!!😉
mama [17.9.2015, 21:53] Aber wie?
ich [17.9.2015, 21:54] wie meinste das überhaupt?
mama [17.9.2015, 21:57] Wie habe ich google gelöscht und wie bekomme ich das wieder?
ich [17.9.2015, 21:57] was genau hast du denn gelöscht? kapier ich gar nicht so ganz.
mama [17.9.2015, 21:58] Lass uns morgen nochmal schreiben bin noch unterwegs
ich [17.9.2015, 21:58] okay, klar
ich [17.9.2015, 21:58] viel spaß mit deinen freundinnen

mama [18.9.2015, 11:37] Bin gestern Abend gut nach Hause gekommen und War schön. Gab ganz leckere Spaghetti.
ich [18.9.2015, 11:38] spaghetti mit was?
mama [18.9.2015, 11:39] Jetzt nochmal zu Google. Spaghetti mit scampis und ganz leckerer Soße.
ich [18.9.2015, 11:40] was genau ist mit google?
mama [18.9.2015, 11:41] Also Google ist weg. Dieser Balken ist nicht mehr da. Und Google ist auch sonst nicht mehr erreichbar.
ich [18.9.2015, 11:42] balken?

ich [18.9.2015, 11:42] wasn für ein balken?
mama [18.9.2015, 11:42]: Ja  In der Mitte des Displays.
ich [18.9.2015, 11:43] ah okay.
mama [18.9.2015, 11:43] Ich bekomme es nicht mehr
ich [18.9.2015, 11:43] gut, hast du einen browser?
mama [18.9.2015, 11:43] ??
ich [18.9.2015, 11:43] prust
mama [18.9.2015, 11:43] Nana, jetzt werd nicht frech
ich [18.9.2015, 11:44] steht da irgendwo „internet“ bei den apps?
ich [18.9.2015, 11:45] so ne weltkugel?
mama [18.9.2015, 11:45] Nicht direkt. Steht nur noch Google auf den apps. Geht aber auch nichts mehr.
ich [18.9.2015, 11:45] kommst also nicht mehr ins internet?
mama [18.9.2015, 11:45]Schau mal nach moment. Nein.
mama [18.9.2015, 11:48] Weltkugel. Nicht da. Aber Google Einstellungen.
ich [18.9.2015, 11:48] hm
ich [18.9.2015, 11:48] also ne internetverbindung hast du, sonst könnten wir nicht schreiben
mama [18.9.2015, 11:49] Weiß aber nicht genau weiter.  Ich glaube ich habe nur noch die spracheinstellung
ich [18.9.2015, 11:49] geh mal in „einstellungen“ (dieses zahnrad) und dann in „anwendungen“
ich [18.9.2015, 11:51] da müsste doch ne google app auftauchen. so ein blaues g?
mama [18.9.2015, 11:51] Klar
ich [18.9.2015, 11:52]  die du aber nicht öffnen kannst?
mama [18.9.2015, 11:52] Warte mal
mama [18.9.2015, 11:53] Ja hab ich schon  gefunden. oh! es geht wieder!

ich [18.9.2015, 11:54] Also ist Google doch nicht gelöscht? 😛

mama [18.9.2015, 11:54] Du bist eine Rabentochter.

ich: [18.9.2015, 11:55]  ❤ Ich dich auch, Mama.

Telefonkuscheln

Liebes Leben,

so kurz vorm Urlaub gehe ich etwas auf dem Zahnfleisch. Ich bin urlaubs-überreif wie ein Apfel, der schon fast vom Baum fällt. Aber noch häng‘ ich hier so rum – rot und rund und prall. 😉

Gestern habe ich mit U. telefoniert. Wir waren beide müde, aber es war schön, noch kurz seine Stimme zu hören. Es war ein inniger Moment zwischen uns, fast so, als würden wir nebeneinander liegen. Sinnlich, aber nicht direkt sexuell.

Wir haben nicht viel geredet, vielmehr ging die ganze Sache mehr oder weniger in ein gemeinsames Atmen und Seufzen über. Sowas geht nur mit ganz bestimmten Menschen. Mit den meisten würde man die Stille in der Leitung gar nicht aushalten.

Plötzlich wurde sein Atmen lauter, mehr ein Schnauben oder Stöhnen. Ich hatte schon Telefonsex mit U., allerdings kam das jetzt gerade sehr unvermittelt. Ich fands auch erst mal unpassend, aber dann dachte ich: Hey, warum nicht?

„Wichst du dich etwa?“, fragte ich ihn etwas belustigt. Sein Schnaufen wurde noch etwas lauter. Ich erzählte ihm ein paar Dinge, die ihn sonst wild machen. Er reagierte nicht wirklich. Aber er schnaufte. Und dann ein Schnarchen. Laut und vernehmlich.

Ein vorsichtiger Versuch, ihn zu wecken, scheiterte. Also beschloss ich, ihm noch zwei bis drei Minuten beim Schlafen zuzuhören und dann aufzulegen.

Kurz darauf muss ich selbst eingeschlafen sein, wohl auch noch mit dem Telefon in der Hand.

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