Gehen wir zu mir oder gehen wir zu mir?

Liebes Leben!

Ich bin ja in einer Zeit aufgewachsen, in der „dates“ noch das englische Wort für Datteln war und man sich ganz altmodisch verabredet hat. Wenn es dann „zur Sache“ ging, sagte man flapsig „Gehen wir zu dir oder gehen wir zu mir?“

Heute ist das anders.

Man begegnet sich online. Man hat mehrere Abende gechattet, bis entweder die Tastatur oder der Vibrator glüht. Man (und frau) will sich treffen, und zwar bald.
Der Erstkontakt hat auf neutralem Boden stattgefunden – der Funkenflug ging weiter. Man will sich wiedertreffen – und zwar bald.

Stellt sich nur die Frage: wann und wo?

Für die Location des ersten Treffens, bei dem es zur Sache geht, ist die Frau zuständig. Beim zweiten Treffen hat sich das dann irgendwie so eingebürgert und beim dritten Treffen wundert sich fast keiner mehr darüber. Und eh man sich versieht, kennt man sich schon einige Monate, ohne jemals das Zuhause des anderen gesehen zu haben.

Man kennt also die intimsten Gedanken und sexuellen Vorlieben seines Gegenübers, aber man weiß eigentlich gar nicht, ob er nicht möglicherweise ein ganz anderes Leben führt als das, was er vorgibt zu führen.

Bei den verheirateten und sonstwie vergebenen Männern ein klarer Fall. Da wird auch ab und zu mal vorher fürs Catering gesorgt (man geht essen) und danach kann auch schon mal das eine oder andere Hotelzimmer gemietet werden. Da weiß ich vorher, worauf ich mich einlasse oder ich entscheide mich eben dagegen.

Aber bei den Single-Männern? Jungs, was ist da los? Lass ihr uns erst bei Euch rein, wenn es für Euch was Ernstes ist? Und bis dahin heißt es für uns: Die Tür mach auf, die Beine breit?

Der Verdacht, dass nicht alle Männer Singles sind, die sich im Internet als solche ausgeben, ist mir natürlich auch schon gekommen. Allein schon rein rechnerisch würde das den immensen Männerüberschuss in Datingportalen erklären. Aber selbst die Männer, bei denen – nun ja – die meisten Indizien dafür sprechen, dass sie tatsächlich Single sind, verhalten sich in dieser Hinsicht ziemlich zurückhaltend. Und eine kleine Umfrage im Freundinnenkreis bestätigt mir, dass ich nicht die einzige bin, die das so erlebt.

Ein interessanter Aspekt wurde mir allerdings zugetragen: Es gibt da wohl ein Stadt-Land-Gefälle. Eine sehr, sehr, sehr ländlich lebende Freundin ist die Ausnahme von meiner selbst erstellten Regel über die Obdachlosigkeit des online datenden Mannes. Sie erlebte bisher nur Männer, die sie in ihre Stadtwohnungen zerren und dort ihre Beute erlegen wollten.

Ein Bett im Kornfeld bzw. in der Nähe eines solchen scheint also für Stadtmännchen nicht so interessant und treibt sie eher dazu, die Weibchen in die eigene Höhle einzuladen. Kann das Weibchen jedoch eine verkehrsgünstig gelegene Bleibe zur Verfügung stellen, ist sie „besuchbar“. Es heißt ja auch „Sex and the City“ und nicht „Sex and the Suburbs“. Eventuell vorhandene Kinder sollten natürlich idealerweise vorher outgesourced werden. Ein weites Feld.

Möchte man(n) seine Anonymität so lange wie möglich wahren oder schafft er es einfach nicht schnell genug, die Bierflaschen beiseite zu schaffen?

Es sind alles Klischees, die einem hierzu einfallen. Klischees, derer ich mich eigentlich nicht bedienen will. Ich selbst bin chaotischer als die meisten Männer, die ich kenne und meine Wohnung ist auch nicht immer ad hoc begehbar. Tendenziell bin ich aber immer davon ausgegangen, dass meine eigene Person interessanter ist als was bei mir so auf dem Boden rumliegt. Gesetzt den Fall man möchte nicht auf demselben rumliegen, versteht sich.

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