Schweinkram in der Sauna

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Liebes Leben,

ich habe Dir schon mal erzählt, wie albern ich Oktoberfeste jenseits des Weißwurstäquators finde. Das gleiche gilt für Halloween und diverse Auswüchse karnevalistischer Verkleidung. Wer früher gesagt hat „ich fahre zum Oktoberfest“, der meinte in der Regel, dass er Ende September oder Anfang Oktober eine Reise nach München antritt. Heutzutage muss man noch einmal nachhaken, denn er könnte auch von einer Sause im Autohaus Südwestposemuckel sprechen, in dem das einzig bayrische die blauweißen Servietten sind. Liegt vermutlich daran, dass es schwierig ist, einen Monatsnamen markenrechtlich zu schützen, und die Einheimischen reden ja ohnehin von der „Wiesn“. So wie die Einheimischen vom Ballermann 6…ach nee, die nicht. Aber da weiß man zumindest: Die Party findet auf Mallorca statt.

Wie dem auch sei, diese Geschichte trug sich bereits vor zwei oder drei Jahren zu. Da war ich mal wieder in der Sauna, und abgesehen davon, dass ich nackt war, war das eine ziemlich unschweinische Angelegenheit. Im Saunabistro zog ich mir sogar einen Bademantel über und trank einen Cappucchino, während ich in die trübe Herbstlandschaft hinausblickte (Saunabesuche sind etwas für solche richtig trüben Tage, finde ich). Mein Blick wanderte zurück in die in warmen Holztönen gehaltene Inneneinrichtung des geräumigen Cafés, in dem vielleicht fünf Gäste saßen. Der hohe Dutt der jungen Bedienung lugte geschäftig hinter dem Smoothie-Maker hervor, der ab und zu rumorte, weil man so etwas trinkt in einem Sauna-Café. Buttermilchdrinks, Kefir und grüne Matchasmoothies, die in normalen Cafés zwar zunehmend verkauft werden, aber meistens keine Kassenschlager sind – in der Sauna mümmelt fast jeder an seinem Strohhalm herum und saugt Proteine und Vitamine in sich auf. Ist ja so gesund! So wie Tomatensaft im Flugzeug eben.

Wie dem auch sei, ich dachte gerade so, könnte ich mir auch mal gönnen, so einen Schmusie, wie unser Omma sagen würde (meine Oma mag übrigens am liebsten „Fanieliengeschmack“). Da fiel mein Blick auf die Sonderkarte zum „Oktoberfest“. Jetzt erst fielen mir die blauweißen Hussen auf den Stühlen und die farbig passenden Tischdecken auf. Hüttengaudi in der Sauna – so richtig passte das nicht zum sonst eher kargen, asiatisch angehauchten Ambiente und den Öldämpfen, die in der Luft lagen. Außerdem erinnerte es mich doch sehr an die Lederhosen-Softpornos, die wir in den 80ern heimlich geguckt haben, wenn unsere Eltern im Bett waren. Die Extra-Speisekarte hob sich auch ein wenig vom üblichen Fitnessangebot des Bistro-Cafés ab. Kartoffelsalat, Weißwürste, Spannferkel —- äh, was? Ich las noch einmal, und tatsächlich: im Sonderangebot war „Spannferkel“ mit Krautsalat und Knödeln.

Das finde ich nun wieder super. Denn wo sonst lässt sich ein Spannferkel besser servieren als in der Sauna? Gut, nicht direkt in der Sauna, obwohl man natürlich über Niedrigtemperaturgaren in derselben durchaus nachdenken könnte – schließlich gibt es ja auch Schokoladenaufgüsse – warum nicht welche, die nach Fleisch, Hickorysalz und Bier duften für die männliche Klientel? Wenn man komplett mit pflanzlichen Aromen arbeitet, wäre das vielleicht sogar was für Veganer. Ach, vielleicht lieber doch nicht, weil es Assoziationen über Grillwurst zulässt, die ich hier nicht weiter ausbreiten möchte.

Ich verabschiedete mich innerlich von dieser doch nicht so genialen Geschäftsidee, bestellte mir einen Mangolassi und beobachtete ein Pärchen im Whirlpool.

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